Rinderhack vs. Sojahack – Was ist besser für die Umwelt?

„Das schmeckt ja wie richtige Bolognese! Ich könnte es nicht unterscheiden. Also dann… könntest du doch auch einfach Fleisch essen, oder?“
Erleichterung, Freude, pure Irritation und Verständnislosigkeit. Diese Gefühle folgen sehr rasch aufeinander, während ich meinem Bekannten zuhöre. Wenn man ausschließlich den Geschmack als Kriterium für die Entscheidung für oder gegen ein Nahrungsmittel oder eine Mahlzeit heranzieht, ist seine Aussage unanfechtbar. Schmeckt gleich. Ist egal, welches man isst. Kann man auch das tierische Produkt essen.
Normalerweise gehe ich solchen Gesprächen grundsätzlich aus dem Weg, aber wir sitzen nun hier einander gegenüber am Tisch und essen. Um aufzustehen und wegzugehen müsste ich die gesamte Sitzbank verschieben oder aufwendig darüberklettern. Beides keine sehr adäquaten oder eleganten Möglichkeiten, auf solch eine herausfordernde Aussage zu reagieren.
Also antworten. Argumente gegen seine Aussage gibt es viele. Ich muss einfach nur eines aus der veganen Argumentationskiste herausfischen und vor ihm ausbreiten.
Die Top-3-Gründe für Veganismus, die mir spontan einfallen, sind Ethik, Umwelt und Gesundheit. Letzteres ist so umfassend und nicht so leicht isoliert zu betrachten, dass ich es rausstreiche. Bleiben Ethik und Umwelt. Dieser Mensch mir gegenüber ist sehr tierlieb (er hat sie sogar zum Fressen gern) und im Nachhinein glaube ich, dass ich am besten damit gefahren wäre zu antworten: „Ja, aber hierfür musste kein Tier leiden.“
Da ich mich allerdings in letzter Zeit mehr mit den schädlichen Einflüssen auf die Umwelt befasst hatte, die die Nutztierhaltung mit sich bringt, kam mir als erstes in den Sinn, diese Richtung einzuschlagen: „Ja, aber das hier ist besser für die Umwelt.“
Mein Gegenüber zögert und zieht die Augenbrauen zusammen. In seiner Entgegnung lässt er die Worte „künstlich“ und „Zusatzstoffe“ fallen. Er sei sich „nicht so sicher“, ob das wirklich besser für die Umwelt sei.
Ich stopfe mir eine große Menge Spaghetti in den Mund, um nicht direkt antworten zu müssen. Ich kaue langsam und ausgiebig, trinke mehrere große Schlucke, und als ich das Glas wieder abstelle, hat sich das Gespräch einem anderen Thema zugewandt. Glück gehabt, denn sein letzter Einwand hat mich verunsichert.

Meine Intuition sagt: „Vegane Alternativen sind umweltfreundlicher.“
Wir wollen hier nicht von Hülsenfrüchten als alternative Protein- oder Eisenquelle sprechen. Es geht konkret um jene Produkte, die wirklich als Fleischalternative verstanden werden sollen. Die Prämisse in der oben beschriebenen Situation ist ja eben jene, dass es „wie richtige Bolognese“ schmeckt. Für einen anschaulichen Vergleich macht es deshalb auch Sinn, sich das strittige Produkt genauer anzusehen; das Vegane Mühlen Hack[1] von Rügenwalder Mühle.

Umweltschädigend anmutende künstliche Zusatzstoffe scheinen auf der Verpackung nicht aufgelistet zu sein. „Trinkwasser, Sojaproteinkonzentrat (26%), Branntweinessig, Rapsöl, Kochsalz, natürliches Aroma, Gewürze, Karamell“ steht da.

Die einzige Zutat, die nicht ganz unbedenklich erscheint, ist das „natürliche Aroma“. Auf der Internetseite von Rügenwalder Mühle sind keine Informationen darüber zu finden, wo und wie es hergestellt wird. Auch wenn der Begriff „natürliches Aroma“ nur bedeutet, dass die Ausgangsstoffe natürlich sind, das Aroma jedoch nicht deren Geschmack oder Geruch entsprechen muss und es auch mithilfe gentechnologischer Verfahren hergestellt werden kann[2], scheint hierbei höchstens der Faktor Gesundheit relevant zu sein.

Dennoch stimmt es; in dem veganen Hack sind mehr Zusatzstoffe auf der Zutatenliste. Rinderhack wird meist als reine Rohmasse gekauft und hat dementsprechend keine Zutatenliste mit weiteren Zusatzstoffen. Die antibiotikaresistenten Bakterien im Fleisch[3], sind nicht extra ausgeschrieben.

So viel zu den Schlagwörtern „künstlich“ und „Zusatzstoffe“. Kommen wir nun zu der eigentlichen Frage, welche der Alternativen denn nun besser für die Umwelt sei.

Wie umweltfreundlich eine Aktion, ein Vorgang oder ein Produkt ist, wird heutzutage am damit zusammenhängenden CO2-Ausstoß festgemacht.
Laut einer Analyse des Freiburger Öko-Instituts[4] beträgt die Klimabilanz für 1 kg konventionell hergestelltes Rindfleisch 13.311 g CO2-Äquivalente. Bei Rindfleisch aus ökologischer Landwirtschaft sind es 11.374 g.

Für die gleiche Menge Sojagranulat kam das Sustainable Europe Research Institute in einer Studie[5] auf 790 g bei konventionellem Anbau mit Soja aus Europa und 350 g bei europäischem Soja aus ökologischer Landwirtschaft.

Zur Veranschaulichung die CO2-Werte im Vergleich:


koventionell ökologisch
1 kg Rindfleisch 13.311 g 11.374 g
1 kg Sojagranulat aus Europa 790 g 350 g

Klarer Gewinner dieser Studie ist jedoch nicht das europäische Bio-Sojagranulat sondern das Bio-Sojagranulat aus Österreich, das mit Ökostrom produziert wurde. Mit unschlagbaren 260 g CO2-Emissionen pro kg Feuchtmasse granuliert es sich in unsere Herzen. Selbst das Rindfleisch aus ökologischer Landwirtschaft erzeugt immer noch mehr als viermal so viel CO2-Äquivalente. Das beliebte Argument, man kaufe ja immerhin nur Bio-Fleisch von „glücklichen Rindern“ (anhand welcher Maßstäbe auch immer derjenige „Glück“ misst), sei also hiermit auch entkräftet.

Eigenen Angaben zufolge verwendet Rügenwalder Mühle für das Mühlenhack ausschließlich Soja aus der Donau-Region[6][7] und setzt auf 100 % Ökostrom[8]. Aus ökologischer Landwirtschaft scheint das Soja nicht zu stammen. Die Bilanz für 1 kg Mühlenhack dürfte sich also wahrscheinlich grob um die Mitte zwischen 260 und 790 g CO2-Äquivalente bewegen.

Folglich verursacht 1 kg Veganes Mühlen Hack[1] ungefähr 500 g CO2-Emissionen. 1 kg Rinderhack, selbst wenn es aus ökolischer Landwirtschaft stammt, erzeugt mehr als zwanzigmal so viel CO2 und einen mindestens gleichermaßen größeren Schaden an der Umwelt.

„Also dann… könntest du doch auch einfach die Fleischalternative essen, oder?“






[1] Deppen Leer Zeichen provided by Rügenwalder Mühle

[2] https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/aromastoffe

[3] https://www.peta.de/resistente-keime-im-fleisch

[4] https://www.oeko.de/oekodoc/328/2007-011-de.pdf

[5] http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/Factsheets/SERI%20fact%20sheet_FINAL_20111213.pdf

[6] https://www.ruegenwalder.de/soja-aus-europa

[7] Auch wenn das nicht für alle Produkte gilt; bei den Veganen Mühlen Burgern[1] beispielsweise stammen 90 % des Sojas aus Europa. Der Anteil des gesamten Einkaufsvolumens von Soja soll ab Sommer 2019 bei rund 45 % liegen.

[8] https://www.ruegenwalder.de/oekostrom

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